Was Modelleisenbahner an Piccolo reizt

      Was Modelleisenbahner an Piccolo reizt

      Schönabnd,

      den ersten Tag hier und schon auffällig :D
      Der Grund ist einfach. Ich habe hier per Suche noch nichts gefunden, was Schuco Piccolo und Modelleisenbahnsammler miteinander verbindet. Dabei finde ich, dass es da durchaus eine Überlappung gibt oder geben kann.

      Meine Piccolo-Sammlung war ein spontaner Entschluss Anfang dieses Monats und die Sammlung ist zum Ende des Monats auch schon so gut wie abgeschlossen.
      Gesucht und gefunden habe ich Modelle, die sich gut mit einer H0-Modellbahn-Ausstellung im Tinplate-Look vergesellschaften lassen. Dazu gehört, dass die Autotypen nicht zu modern sind und die Gestaltung nicht allzu fein. Schließlich sollen sich die Autos gut in die Landschaft aus eher schlichten Blechgebäuden einfügen, wie sie nach dem Krieg noch bei Märklin oder Kibri handelsüblich waren. Metallspielwaren erlebten im Verlauf der 60er ihren Niedergang. Was es zu Beginn der 70er noch aus Blech oder Guss gab, kam entweder aus Fernost oder war primitiv und billig oder es war ein teures Relikt aus besseren Zeiten, wie bespielsweise die Metallgehäuse von Märklin-Loks. Selbst ein Qualitätshersteller wie Schuco konnte sich nicht retten.

      Umso erfreulicher ist dem gegenüber, dass sich Replikate hoher Beliebtheit erfreuen, selbst wenn sie nicht wirklich made in Germany sind. Unter den Modelleisenbahnern gibt es noch viele Nostalgieromantiker und das meint nicht nur das Vorbild, sondern durchaus auch die Machart von Spielzeugen einer bestimmten Epoche.

      So kommt es dann auch, dass die Neuauflage der Piccolo-Fahrzeuge sich gut mit dem vereinen lässt, was Tinplate-Eisenbahner an ihrem Spielzeug reizt: Das muss schwer sein, metallisch kalt, aber dennoch liebevoll lackiert oder besser noch lithographiert. Zwischen der großserienkonformen Metallbearbeitung und dem Charme des Endprodukts liegt der wesentliche gestalterische Schritt in der Liebe zum einen oder anderen, angedeuteten Detail oder in einer robusten Funktion, die unter Kinderhand eben nicht zerbricht.

      Nach heutiger Maßgabe müssen solche Spielzeuge als ungeeignet unter 15 Jahren eingestuft werden und rücken damit in die Nähe des Erwachsenenalters. Irgendwelche Kinder hier im Forum? Na, bitte. Ein Piccolo einmal an den Kopf des ärgsten Feindes im Kindergarten geworfen - zack, hat das Spielzeug Hausverbot. Eine Debatte über die Belastbarkeit des menschlichen Körpers in Kindertagen möchte ich mir ersparen.

      Wenn sich also nur noch Erwachsene an solchem Spielzeug erfreuen, ist es umso wichtiger, die Einsatzgebiete solcher Artikel zu kennen. Der Modelleisenbahner wird nicht viel auf Werbeaufdrucke geben, möge das Modell auch noch so rar sein. Das Auto soll Begleitmusik sein und keineswegs der Bahn die Show stehlen. Daher kann ich nach dem Kauf von ca. 50 Einzelfahrzeugen die Sammlung schon als nahezu geschlossen bezeichnen. So sehr viel mehr an geeigneten Typen und Varianten gab es bisher noch nicht im Piccolo Sortiment. Ob das schade ist, hängt von der Größe einer Anlage ab, die damit ausgestattet werden soll. Im unmittelbaren Randbereich einer öffentlich ausgestellten Anlage wird man derart leicht entwendbares Gut kaum drappieren.

      Was aber reizt, sind gestellte Fotos auf existierenden Anlagen, auf denen Autos und Figuren wechselnd zum Einsatz kommen, nur, um eine Bildergeschichte zu erzählen. So gesehen passen dann Zinnfiguren ganz hervorragend zum Piccolo-Sortiment. Bisher verfüge ich selbst noch nicht über eine solche Modellbahnanlage. Wozu ich aber Piccolo-Sammler ermuntern kann, ist der Besuch von Modellbahnveranstaltungen, um das eine oder andere Lieblingsmodell einmal gekonnt in Szene zu setzen. Über eine geeignete Vernetzung mit Modellbahnern kann man auch Figurensammler aktivieren und ein regelrechtes Drehbuch vorab entwickeln.

      In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Netzwerken.
      8o Das Leben ist zu kurz für schlechten Umgang miteinander.

      Zum Wohlsein!
      Hallo Torsten,
      Überschneidungen zwischen Piccolos und Modelleisenbahnen gab es zeitweilig in den 60er bis Anfang 70er Jahren.
      Mein Vater hat, als Komandit eines Spielwarengeschäftes in Köln, in dieser Zeit für betuchte Modelleisenbahnkunden,
      die keine Zeit dafür hatten, Modellbahnplatten im Massstab H0 mit allem (Häser, Strassen,Verschiebegleise und einiges mehr) was eine schöne Platte ausmacht aufgebaut. Er hat damals Piccolo Modelle auf diesen Platten verwendet, da die langsam aufkommenden Wiking Modelle für ihn nicht schön genug waren. Ich kann mich deshalb so gut daran erinnern, weil ich als Junge immer unter die Platten kriechen musste um umgefallene Züge wieder aufzurichten, oder rausgerutschte Clinch, bzw. Krokodilstecker wieder anzubringen und Birnchen zu wechseln. Das war der erste Kontakt mit den Piccolos meinerseits.Habe damals mal gewagt mit einem runtergefallenen Piccolo zu spielen! Junge, Junge hab ich da Senge bekommen! Aber Schwamm drüber, es war verdient, da der Piccolo dem Kunden gehörte.
      Diese Überschneidung hat es auch bei anderen Modelleisenbahnern, die ich durch meinen Vater kannte, gegeben.

      Grüße und allen Mitsammlern ein frohes Osterfest,
      Ralph
      Moin,

      man darf nicht vergessen, dass es den Tinplate-Kult als zeitgenössische Erscheinung innerhalb der Tinplate-Epoche nie gab. Verwendet wurde, was gefiel. Erst retrospektiv ergibt sich die Überlegung, welches zum Einsatz kommende Material eine Nostalgie-Tinplate-Anlage am besten wirken lässt. Das "Typische" muss nicht unbedingt das historisch Authentische sein, wenn man eine künstlerische Gestaltung verfolgt. Kulturhistoriker und Künstler mögen sich hier in die Wolle kriegen, wie man das "wahre Nostalgiegefühl" besser rüberbringt.

      Die Mischung aus Metall-und Kunststoffteilen, wie sie von Herstellern in erster Linie aus Einsparungsgründen in den späten 50ern und über die ganzen 60er verbreitet Einsatz fand, möchte der Blechliebhaber am liebsten ignorieren. Dass es dabei auch zu Teilen kam, die erst durch den Kunststoff möglich wurden, wird meist übersehen - Beispiel verglaste Automobile. Deshalb betrachten viele Spielzeugsammler Kunststoff zu Unrecht als Billigkram. Dennoch läutet die Verwendung von Kunststoff eine andere Art der Gestaltung von Spielwaren ein, die ältere Formen verdrängt. oder ein Inseldasein erleben lässt.

      Eine solche Insel stellt für mich das Schuco Piccolo Sortiment dar. Das muss aber nicht so gehandhabt werden, wenn man den Mut zu einer cross-over-Gestaltung aufbringt und so tut, als ob es seinerzeit reine "Metallspielzimmer" gegeben hätte. Diesem eher künstlerischen Ansatz muss nicht jeder folgen. Ich möchte nur dazu ermutigen, an den unterschiedlichsten Sammlungen so vielfältig wie möglich Spaß zu finden. Das kann bei entsprechend reichhaltigem Angebot eben auch bedeuten, sich auf ein ganz enges Thema zu kaprizieren. Die besten Dioramen tun genau das. Kein Teil darin ist dem Zufall überlassen.
      8o Das Leben ist zu kurz für schlechten Umgang miteinander.

      Zum Wohlsein!