Schuco SSK/L: Rudi und der weisse Elefant

      Schuco SSK/L: Rudi und der weisse Elefant

      Nun war es mir endlich gelungen, das Schuco-Modell des Mille Miglia Caracciola-Siegerwagens der „SSKL“-Reihe aus dem Jahre 1931 zu erwerben.

      Beginnen wir aber einmal ganz von vorn, denn es lohnt sich, dazu etwas mehr zu wissen. Ab 1926 produzierte der Hersteller die „W06“ Reihe, die Geschichte schreiben sollte. Dieser erste „S“, wobei S natürlich für „Sport“ steht, war ein aus der großbürgerlichen „K“-Serie heraus entwickelter Sportwagen, mit speziellem Rahmen, der die Karosserielinie „tiefer“ legte – ja auch schon damals ... . Das erreichte man durch stärker gewölbte Kröpfungen der Rahmenenden zur Vorder- und Hinterachsaufnahme. Der Lancia Lambda von 1924 mit seinem „Tiefbettrahmen“ war da sicherlich Ansporn. Den „S“ gab es als Zwei- und Viersitzer, der Radstand betrug 3400 mm. Der 6,8 Liter Sechszylinder gab bei milder 4,7er Verdichtung 120 PS ab, mit eingeschaltetem Kompressor 180 PS. Caracciola ließ sich nicht lumpen und holte im Zweisitzer damit im Juni 1927 auf dem Nürburgring-Eröffnungsrennen den ersten Platz, sein Kollege Rosenberger auf identischem Wagen den Zweiten. Die Farbe des Wagens war weiß, mit schwarzen Kotflügeln versehen. Wir müssen uns mit dem weinroten Modell mit den anthrazitfarbenen Kotflügeln begnügen; Farben, die das Modell allerdings hervorragend zur Geltung bringen.



      Ab 1928 kam zusätzlich der Typ „SuperSport“, dessen aufgebohrter Motor nun 7069 ccm Hubraum hatte und in seiner stärksten Ausführung mit Kompressor nun 225 PS mobilisieren konnte. Schuco hat ihm mit dem grauen Modell ein Denkmal gesetzt. Dabei war der „SS“ eigentlich weniger als Rennmodell, sondern mehr als Gran Tourismo für die Fernreise gedacht.



      Hier ein Originalfoto des „SS“- mit der von Schuco aufgenommenen Farbgebung:

      de.wikipedia.org/wiki/Mercedes…des_SS_Rennsport_1927.JPG

      Ebenfalls der SuperSport-Reihe zuzuordnen ist das wohl schönste Modell der Schuco-SSKL Reihe, der Schwarze mit der roten Bauchbinde und der Zwillings-Reserveradbereifung. Solche Ausstattung käme dem Originalwagen als „Gran Tourismo“ sehr zu Gute, würden Fernreisen damit doch wesentlich sicherer.





      So würde ich als Modellvorgabe am ehesten diesen Zweisitzer SS in Schwarz sehen, mit mittlerer Motorisierung:

      de.wikipedia.org/wiki/Mercedes…W_06_IAA_2019_JM_0935.jpg

      Insbesondere für die Bergrennen musste der „S“ ertüchtigt werden. Dies geschah durch die Kürzung des Radstands von 3400 auf 2950 mm. So kam man besser um die Ecken. Also eigentlich zunächst ein „SK“. Da man aber umgehend die stärkeren Motoren des SS übernahm, wurde ein SSK, „SuperSport Kurz“ daraus. 1929 packte man dann leistungsmäßig nochmal drauf und mit 250 Kompressor PS räumte der Wagen munter die Preise ab.

      Nun wurde es ganz wild. Um leistungsmäßig noch eins draufzusetzen und noch schneller um die Serpentinenkurven zu kommen, gab es ab 1931 den SSKL, den „SuperSport Kurz Leicht“, dessen Rahmendurchlöcherungen und andere Erleichterungen das Gesamtgewicht auf 1500 Kilogramm drückten. Dort hinein wurde der nun „Elefant“ genannte nochmals leistungsgesteigerte Motor geschraubt. Bei Berg- und Kurzstreckenrennen lief der Kompressor "elefantentrompetend" dauernd mit und holte so aus der Maschine bei 7,1er Verdichtung 300 PS heraus. Daran hatten die liefernden Benzinfirmen natürlich einen großen Anteil, denn ein entsprechendes den Hochleistungsmotor nicht zum „Klingeln“ bringendes Spritgemisch wurde sorgsam aus allerlei Ingredienzien, die heute Gruseln erzeugen, zusammengebraut.

      Rudolf Caracciola gewann dann auch auf SSKL 1931 den großen Preis von Deutschland auf einem weissen Modell mit freistehenden Rädern und schwarzer Bauchbinde um die Motorhaube, ... der Mechaniker vorn versucht übrigens, die schwergängige Lenkung des Modells zum Mitmachen zu überreden ...




      - hier das Original auf der Zielgeraden -

      eu-browse.startpage.com/av/ano…cedb1eaf13ce263fbb84bf91b

      ... und noch im gleichen Jahr die Mille Miglia mit dem ebenfalls weiss lackierten Modell mit roten Kotflügeln. Weiss war die deutsche Rennfarbe, rot die italienische. Die Kombination hatte Stil:

      eu-browse.startpage.com/av/ano…27a634696debdc1c0ca1f2e9e




      Schuco hat beide Fahrzeuge entsprechend lackiert aufgelegt, ohne die historische Reminiszenz werbetechnisch herauszustellen. Was hätte näher gelegen, als diese Modelle mit den entsprechenden Rennplakaten versehen in „Prachtpackungen“ mit Fahrer- und Mechanikerfiguren herauszubringen? Statt dessen staunt der Kenner über die „versteckte“ und ungekennzeichnete Unterbringung im Sortiment und freut sich, nach langer Suche endlich alles an relevanten Modellen mit historischem Bezug zusammen zu haben.




      Die „W06“, bis zu 300 PS in 1,5 bis 1,8 to Metall mit seilzugbetätigten Trommelbremsen. Der internationalen Rennbehörde standen die Haare zu Berge. Sie verfügte die 750 Kilogramm-Formel für 1934. In der Erwartung, kleinere Autos mit schwächeren Motoren an den Start zu bringen. Doch es kam alles ganz anders und die Firma Schreyer &Co brachte den neu entstandenen W 25 als das berühmt gewordene „Fahrschulauto“ auf den Markt. Doch das ist eine andere Geschichte... .

      Grüße Kulrich
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      Moin zusammen!

      Toller Beitrag, aber auch sehr schöne Fotos. Kann man doch sehr schön sehen, wie diese Modelle in der richtigen Aufstellung und mit den Figuren leben. Könnte mich auch noch reizen, aber da sind wir wieder bei dem Thema "Platz für die Modelle".
      :D

      Grüße,
      Wilfried